Geschichte des Lehrers Jan Stolz


"Ein Mann ohne Schule ist wie ein Kind ohne Mutter"

Mitteldeutsche Zeitung, 8. Jan. 1994, S. 14

SHORAI-DO-KEMPO / Halle
Kampfkunst, nicht Schlägersport
150 Aktive zählt das erfolgreichste Dojo in Halle - Stolz/Rafoth ein anerkanntes Trainingsgespann
Von unserer Redakteurin
Petra Szag


Halle/MZ. Dachziegel mit der bloßen
Hand zerschmettern, seinen Kon-
trahenten mit dem Fuß außer Ge-
fecht setzen und dies alles mit wilden
Kampfschreien nach dem Vorbild ei-
nes Jean Claude van Damme gar-
nieren - das sind oftmals so die Vor-
stellungen, die der Otto-Normalver-
braucher hierzulande von asiatischer
Kampfkunst hat.
"Shorai-do-Kem-
po ist nichts von alledem. Mit roher
Gewalt hat unser Sport überhaupt
nichts zu tun",
stellt der anerkannte
Meister seines Fachs und lizensierte
Trainer Marcel Rafoth energisch
klar. Der 23jährige Träger des
schwarzen Gürtels betreibt mit sei-
nem gleichaltrigen Kompagnon Jan
Stolz gemeinsam in Halle eine
Kampfkunst-Schule. Seit einigen
Wochen sogar im eigenen, selbst er-
bauten Dojo.
Hier vermitteln die bei-
den Meisterschüler vom Shorai-do-
Kempo-Begründer Wladimir Dex-
bach derzeit etwa 150 Interessenten
das Einmaleins ihrer Disziplin.
Da-
bei steht die Schulung von Körper
und Geist gleichermaßen im Mittel-
punkt. Neben dem Erlernen von
Selbstverteidigungs-Techniken ge-
hören unter anderem Konzentra-
tions- und Entspannungsübungen
zum Unterricht.

Die Schüler sind zwischen fünf
und fünfzig Jahren alt und hatten
sich einst aus den verschiedensten
Beweggründen dem Dojo ange-
schlossen. Axel Bardtenschläger bei-
spielsweise gibt zu, anfangs nur des-
halb gekommen zu sein, um mehr
oder weniger spektakuläre Angriffs-
und Verteidigungsmöglichkeiten
kennenzulernen. Heute kommt der
mittlerweile in der Fortgeschritte-
nen-Gruppe trainierende 14jährige
zweimal in der Woche zu Marcel und
Jan,
weil er vom Shorai-do-Kempo
als Ganzes - als Lebensphilosophie
- fasziniert ist. "Ich bin durch mein
regelmäßiges Training nicht nur kör-
perlich topfit, sondern auch viel
selbstbewußter als früher"
, weiß der
1,52 m kleine Hallenser zu berichten.
"Und seine Konzentrationsfähigkeit
hat sich verbessert, was nicht ohne
positive Auswirkungen auf die schu-
lischen Leistungen blieb", ergänzt
Mutter Eva Bardtenschläger.
Sein bisher größtes sportliches Er-
folgserlebnis hatte Axel beim zwei-
ten Shorai-do-Kempo-Cup im ver-
gangenen Jahr, als er beim Kata
(Kampf gegen einen imaginären
Gegner) den zweiten Platz belegen
konnte. Bei diesem Wettbewerb hin-
terließen die Schützlinge von Jan
Stolz und Marcel Rafoth insgesamt
einen so starken Eindruck, daß sie
für die gezeigten Leistungen sogar
mit einem Ehrenpokal ausgezeichnet
wurden. Damit darf sich das Dojo
offiziell als das beste von ganz Halle
nennen.


Unter den Argusaugen von "Sensei" Jan Stolz (hinten Mitte)
üben Axel Bardtenschläger (vorn rechts) und seine Trainings-
gefährten das Einmaleins des Shorai-do-Kempo.
              MZ-Foto: Thomas Klitzsch

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