DOJO LEIPZIG

46. Mittelschule - Demmeringstraße


Presseartikel der LVZ vom Donnerstag, 5. November 1998

Trainer Falko Seppelt mit seinen Schützlingen


Trainer und Vize-Europameister Falko Seppelt (3.v.l.) übt fast täglich in der Leipziger Demmeringstraße mit seinen Schützlingen. Von links: Doreen Tuschl, Florian Dudziak, Anatoli Manski, Nadine Fischer, Philiipp Richter, Katrin Vog.
Foto: Wolfgang Zeyen

"Die Kampfkunst Karate ist
für mich wie eine Sucht"


Vize-Europameister Falko Seppelt nennt Erfolg einen schönen Nebeneffekt
Zum Titel hat das Quentchen Glück ge-
fehlt. Dennoch ist der Wahl-Leipziger
Falko Seppelt über seinen zweiten
Platz bei den Europameisterschaften
im Karate glücklich. "Diese Kampf-
kunst ist wie eine Sucht für mich. Der
Erfolg ein schöner Nebeneffekt", sagt
Seppelt. Bei den kontinentalen Titel-
kämpfen im Fürstentum Liechtenstein
gewann der 34jährige in der Kategorie
Waffen-Kata die Silbermedaille.
Bei einer Kata - japanisches Wort
für Form - muß der Teilnehmer einen
festgelegten Bewegungsablauf durch-
führen. Bei dieser Disziplin gibt es kei-
nen Körperkontakt, die exakte Ausfüh-
rung der Bewegungen steht im Vorder-
grund. Doch auch im Kampf Mann ge-
gen Mann macht Seppelt eine gute
Figur. In der Gewichtsklasse über 85
kg belegte der gebürtige Naumburger
bei den Weltmeisterschaften in St. Pe-
tersburg, Ende Juni, den dritten Platz.
Seine Erfolge hat er vor allem sei-
nem Lehrmeister Wladimir Dexbach
zu verdanken. Dexbach ist Russe und
kam vor 16 Jahren nach Halle. Er kre-
ierte das "Shorai-Do" Kempo. "Shorai-
Do" ist japanisch und heißt "der Weg
in die Zukunft". Der Ausdruck "Kem-
po" ist der Oberbegriff für die ostasia-
tischen Kampfkünste.
"Beim Shorai-Do liegt der Schwer-
punkt nicht so sehr auf dem Wett-
kampf, es ist eine Art Lebensschule.
Ausdauer, Geduld und Selbstdisziplin
sind sehr wichtig", betont Seppelt. Vor
vier Jahren eröffnete der Baumaschi-
nist den ersten und bislang einzigen
Dojo für diese Kampfrichtung in Leip-
zig. 25 Freunde der ostasiatischen Kul-
tur und Kampfkunst - den Ausdruck
Sportler mag der Dojo-Leiter nicht -
treffen sich regelmäßig in der Turnhal-
le der 46. Mittelschule in der Leipziger
Demmeringstraße. Dort stehen sie sich
dann in der schwarzen Kampfklei-
dung, der sogenannten Gi, gegenüber
und trainieren die verschiedenen Ka-
tas, das "Shorai-Do" besitzt sieben vor-
gegebene Bewegungsabläufe, den Halb- und Vollkontakt.
Vor allem die Jüngsten sind mit sehr
viel Enthusiasmus dabei. Doreen
Tuschl gehört seit zwei Jahren dem
Dojo von Falko Seppelt an und will
sich vor allem verteidigen können.
Doch auch die ostasiatische Kultur und
der Hintergrund dieser Kampfkunst,
sei sehr interessant. Das gemeinsame
Ziel sei der schwarze Gürtel, der höch-
ste Schülergürtel. "Doch dafür muß
man alles können", weiß Nadine Fi-
scher.
Neben den zehn Stunden Unterricht,
die Seppelt in der Woche gibt, trainiert
er noch zwei Stunden bei seinem Sen-
sei Dexbach. Darüber hinaus verbringt
er sehr viel Zeit im Kraftraum beim
Sandsack- und Konditionstraining.
Nicht mitgerechnet sind die umfang-
reichen Studien der ostasiatischen
Kultur. Seinen großen Traum, eine
Reise nach Japan, konnte er bisher
noch nicht verwirklichen. Doch ein Ab-
stecher nach Nippon ist fest in seinen
Zukunftsplänen verankert.
Christian Schönhals

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